Endspurt bei der Arbeit
Nachdem Robin und Bruno für ihren
zweiwöchigen Urlaub nach Bali geflogen sind, erwartete mich erstmal
wieder der dreckige und ätzende Alltag. Von Arbeit gab es meiner
Meinung nach in den letzten Einträgen schon genug zu lesen, deshalb
springen wir einfach an den Punkt, wo was passiert. Und das war mein
vorletzter Arbeitstag. Mittlerweile hatte sich auf dem Gelände
geändert, dass ich nicht mehr mit Darren zusammen gearbeitet habe,
sondern der Boss der Spedition – Ben - die Arbeit auf dem Platz
übernommen hatte. Meine letzten Tage waren hauptsächlich davon
geprägt, alle Maschinen und Trucks fertig zu machen, damit die
Spedition so schnell wie möglich zu ihrer Arbeit in den Norden von
Western Australia gelangen konnte. Ich weiß im Nachhinein nicht
genau ob es vielleicht dieser allgemein hektischen Stimmung
geschuldet war – auf jeden Fall sind mir am Samstag zwei von diesen
schweren Metalldingern auf den Finger
gefallen. Das hatte sowohl was positives, als auch was negatives.
Negativ war natürlich, dass mein Finger ein wenig beschädigt war.
Positiv hingegen war, dass damit nach gut 4 Monaten endlich meine
Arbeit vorbei war.
Nachdem ich mich verarztet hatte, der leeren Batterie vom Auto einen Jumpstart gegeben hatte und mir einen Energy-Dring gekauft hatte bin ich ins Krankenhaus gefahren. Gute Nachricht war, dass es nicht gebrochen war. War sowieso nur ein kleiner Cut.
Allerdings konnte man mir weder im Krankenhaus - noch bei dem Spezialisten den ich zwei Tage später aufsuchte - versichern, dass die Sehnen und Nerven intakt sind. Diese Unsicherheit hatte zur Folge, dass ich noch am gleichen Tag (Montag 17. März) in Joondalup operiert wurde. Glücklicherweise war ich dann doch nicht ganz alleine. Und zwar war ein paar Wochen vorher sowieso Laura, eine Freundin aus Deutschland nach Perth gekommen, die mit mir zum Arzt und auch zur Operation gefahren ist. Das war in jedem Fall eine ziemlich große Erleichterung für mich.
Direkt nach der OP, noch ein wenig benebelt.
Da man mir ne Vollnarkose reingehauen hatte, war es ziemlich gut dass Laura das Auto an meiner Stelle fahren konnte. Sie hat mich abends nach Perth in die Innenstadt gefahren, wo ich mich dann erstmal im Hostel ordentlich ausschlafen konnte.
Vom Hostel aus hab ich dann damit angefangen, alle möglichen Sachen mit der Versicherung zu klären. Die Kosten für die OP im Wert von $1500 musste ich nämlich erstmal aus eigener Tasche bezahlen. Ich könnte mich an dieser Stelle ewig lange über deutsche Bürokratie und dergleichen auslassen, darauf verzichte ich aber mal lieber. Im Endeffekt scheint es sich jetzt - nach gut einem Monat nämlich so geklärt zu haben, dass die Versicherung meines Arbeitgebers mir mein Geld wiedergibt und die offenen Rechnungen begleicht und nicht die Debeka, über die ich hier in Australien versichert bin. Ende vom Lied: mein linker Zeigefinger ist gut $5000 mehr Wert als zuvor - auch nicht schlecht.
Spinners Backpackers, Perth
Es tat mir in jedem Fall auch ziemlich gut, im Hostel mal wieder unter vielen Leuten zu sein. Habe echt viele neue Freunde gemacht. Was ist in der Hostelzeit noch so passiert? Naja, ich hab viel geschlafen und $70 Dollar mit kleinen Pokerrunden verdient (ohne mir die Hand zu brechen).
Abendliche Chillerei mit Andy
Außerdem war ich noch einen Abend bei bekannten von Freunden aus Deutschland zum Barbecue eingeladen. Es war ein wirklich sehr netter Abend!
Jeff und ich
Des weiteren stand ich immer noch recht intensiv mit Robin und Bruno in Bali in Kontakt, wo sich herausstellte dass aus Robin und dem Job im Norden doch nichts zu werden schien. Nach gut einer Woche, in der ich alleine im Hostel gelebt hatte, kamen Robin und Bruno wieder und wir waren wieder vereint. Bruno flog zwar am nächsten Tag direkt weiter nach Melbourne und ist mittlerweile wieder zu Hause in Deutschland - aber an seiner Stelle bekamen wir Gesellschaft im Hostel von Jule und Luca. Mit Jule haben Robin und ich ja gemeinsam Abi gemacht und Luca kannten wir auch schon flüchtig. Die beiden waren von Adelaide mit dem Auto nach Perth rüber gefahren.
Hier ein Bild von unserem kleinen Ausflug in den Kings Park.
Neben dem ganzen Versicherungsstress, den ich in unserer Hostelzeit zu durchleben hatte, kamen auf uns noch einige Reparaturen am Auto zu. Da unsere weiteren Pläne einen Roadtrip bis rüber an die Ostküste vorsahen, mussten wir das Auto auf Vordermann bringen. Kurzform: neue Batterie, zwei neue Reifen und die Bremsanlage reparieren lassen = $700.
Nachdem wir das alles erledigt hatten stand unserem Roadtrip eigentlich nichts mehr im Wege.
ROADTRIP
Nachdem wir uns von allen unseren neuen Freunden im Hostel verabschiedet hatten, ging es für Robin und mich zunächst gut 350 Kilometer landeseinwärts zum Wave Rock.
Auf der Strecke haben wir einige Buschfeuer gesehen und mir ist irgendwo zwischen Perth und dem Wave Rock dieses verlassene Auto im Acker vor die Linse gekommen:
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Unsere erste Nacht haben wir in irgend-einer abgelegenen Straße am Highway verbracht und am nächsten morgen ging es dann in aller Frühe zum Wave Rock. Der Stein hat uns schon recht gut gefallen. Ich denke das lag einerseits daran, dass es nicht so ein klassisches Touristenziel ist und wir um 6 Uhr morgens nahezu das ganze Gelände für uns hatten. Auf jeden Fall einen Trip wert!
"Surfen" am Wave Rock
Nachdem wir das doch recht weitläufige Areal ausgiebig bewandert haben, ging es für uns weiter Richtung Süden - zum Meer. Unser nächstes Ziel war Esperance.
In Esperance angekommen erwartete uns mit Sicherheit eine der schönsten Küstenstraßen, die wir in unserem Leben bisher fahren durften. Des Weiteren bot uns der etwa 10.000 Mann stark besiedelte Ort die Möglichkeit, mal wieder unsere Lebensmittelvorräte verhältnismäßig günstig aufzustocken.
Den Abend haben wir dann mit ein paar Surfern direkt am Strand verbracht. War echt ziemlich langweilig, weil das alles in etwa 30 jährige Franzosen waren. Allerdings muss man gestehen, dass der Sonnenaufgang am nächsten morgen für den gammeligen Abend zuvor mehr als entschädigt hat! Da wir illegal an dem Strand gecampt haben, mussten wir etwa um 5 Uhr morgens raus, um die Wahrscheinlichkeit, vom Ranger gepackt zu werden, so klein wie möglich zu halten. Unser Glück:
Sonnenaufgang in Esperance
Und das mit Platz in der ersten Reihe
Nachdem wir uns bei Esperance noch den Cape Le Grand National Park genehmigt haben, ging es für uns weiter Richtung Norden. Und zwar nach Norseman. Norseman hat nicht wirklich was schönes zu bieten, ich denke der einzige Grund wieso da Leute wohnen ist, dass da zwei recht große Highways aufeinander treffen. Der Ort stellt also nicht gerade ein Highlight auf unserem Trip dar. Auf dem Weg dahin sind wir allerdings an mehreren ausgetrockneten Salzseen vorbeigefahren, die durchaus einen gewissen Reiz haben. Besonders, wenn mitten in diesen Seen tote Bäume rumstehen:
Der Rest des Weges bis nach Norseman - und auch die paar hundert Kilometer die danach kommen - sind nicht besonders Spektakulär. Das war auch der Grund dafür, dass wir an diesen Tagen mit durchschnittlich so um die 400 Kilometer recht viel Strecke zurückgelegt haben (Bei Durchschnittstempo 80 ist das viel). Ein Highlight war vielleicht der Streckenabschnitt, bei dem es 146,5 Kilometer einfach nur geradeaus ging (übrigens das längste Stück Straße in Australien, wo es nur gerade aus geht). Aber auch das war nach 10 Kilometern nicht mehr soooo spannend :D
Einen Abend haben wir noch ein schönes Lagerfeuer gemacht und sonst halt hauptsächlich fahren..
Feuerholz Beschaffung
Nach gut 1000 Kilometern durch die Nullarbor, gefühlt 1000 Moskitostichen, Spritpreisen bis zu $2,09/Liter (immer noch günstiger als in Deutschland), der Grenzüberquerung von Western Australia nach South Australia und einer Nacht oben auf dieser Klippe:
wurden wir mitten in der Wüste in South Australia notgedrungen für fünf Stunden zum Pausieren gezwungen. Irgendein heldenhafter Truckfahrer hat es fertig gebracht, seinen mit Chemikalien beladenen Truck am Straßenrand in Brand zu setzen und sich danach zu verziehen. Folge war, dass der Highway gesperrt wurde. Immerhin saßen wir zusammen mit etlichen anderen Reisenden fest, unter Anderem auch mit einer Band aus Adelaide, die in Perth ein Konzert gespielt hatten. Mit denen haben wir uns echt gut verstanden und wir werden uns mal bei denen melden, wenn wir in Adelaide ankommen. Uns wurde schon ordentlich Party und eine günstige Unterkunft in Aussicht gestellt.
Stillstand.
Nachdem sich die Geschichte mit der Chemiesache erledigt hatte, wir eine Nacht mit vier anderen deutschen Backpackern auf einem Highwayparkplatz verbracht hatten, und am nächsten morgen wieder einige Stunden gefahren sind, kamen wir irgendwann in Ceduna an. Unser Zwischenziel ist ja aktuell erstmal Adelaide, aber wir haben uns entschieden, den Trip bis dahin noch ein wenig in die Länge zu ziehen und einen Umweg am Meer entlang in Kauf zu nehmen. So sind wir irgendwann nachmittags in Smoky Bay angekommen und direkt auf Pelikane und zwei sehr nette Unternehmer aus Queensland gestoßen, die nach Krabben und Tintenfischen geangelt haben.
Nachdem wir uns davon haben überzeugen lassen, wie einfach es sei, in Australien zu angeln, haben wir uns dazu entschieden, noch einen Tag länger in Smoky Bay zu bleiben und am nächsten Tag auch unser Fischerglück auf die Probe zu stellen.
Und so haben wir am nächsten morgen zwei Tintenfische aus dem Meer gezogen (Robin wars, ich bin da irgendwie nicht so glücklich), die es dann mittags zusammen mit einer Reis-Gemüse-Pfanne gab. Saugeil!
Vom Angelfieber gepackt ging es für uns die 50 Kilometer zurück nach Ceduna, um uns um Outdoorshop unser eigenes Netz zum Krabbenfischen zu kaufen. Mit dem Equipment an Bord dann wieder zurück nach Smoky Bay und mit gut drei Stunden Zeitaufwand drei fette, blaue, recht wertvolle Krabben an Land zu ziehen.
Unser Glück war es, dass der Angelsteg ziemlich lang ins Meer hineinragte und somit unsere Chancen auf Erfolg erheblich verbesserte. Voller Euphorie über den Fang (im Meer angeln ist in South Australia übrigens für jedermann einfach so gestattet, nicht wie im dummen vollbürokratisierten Deutschland, wo man für den kleinsten Piss nen Schein brauch) und voller Appetit standen wir da also auf dem Steg, als es plötzlich angefangen hat, brutalst zu regnen. Scheiße. Da das Wetter zuvor schon nicht sonderlich gut - und für australische Verhältnisse echt kalt - war, hatten wir natürlich alle unsere Pullover schichtweise übereinander an - alle klitschnass.
Die Länge des Steges wurde uns an dem Punkt zum Verhängnis, als wir mit unserem ganzen Equipment und dem Fang zum Auto rennen mussten. Aber was nun? Da wir keinen fischigen Geruch im Auto haben wollten (immerhin schlafen wir da drin), haben wir die Krabben erstmal in ihren Tüten neben das Auto gelegt, um uns in Ruhe im Auto beratschlagen zu können. Nach zehnminütigem Beratungsprozess kamen wir zu dem Entschluss, dass wir zurück zu unserem Unterstand von letzter Nacht fahren und dort die Krabben kochen. Also: Motor an, zurück gesetzt, lautes knartschiges Geräusch der zerbrechenden Krabbenpanzer - alle drei prächtigen, wertvollen, ja sogar majestätischen Tiere.... Matsche. Scheißdreck.
Wir sind einfach Helden. Unnötiger hat bestimmt noch niemand auf dieser Welt was aus dem Meer gezogen. Nachdem wir unseren Frust ausgeschlafen hatten, trafen wir die Entscheidung einfach weiter zu fahren. Der Ort hat uns einfach zu sehr an unser Versagen erinnert.
Frustriert vom recht schlechten Wetter
haben wir ziemlich viel auf der Strecke ausgelassen. Übers Internet
hatten wir von einem recht netten Campingplatz auf unserer Route
erfahren, wo es freies WiFi gibt. Internet klang echt gut für uns,
also fiel die Entscheidung schnell, dort hinzufahren. Dort
angekommen, erwartete uns ein Erlebniscamp von einer katholischen
Jungenschule aus der Region. Aber es war kein Problem, dass wir auch
auf dem Platz nächtigen konnten. Unser Host, Malcolm, ist ein
wirklich sehr netter Typ. Wir wurden mit zum Barbecue eingeladen,
bekamen sämtliche essbare Überbleibsel des Schülercamps und
entschieden uns prompt, noch einen Tag länger hier zu bleiben.
Morgen geht es dann für uns weiter nach Port Lincoln, der
nächstgrößeren Stadt, wo einer der Betreuer dieses Camps mit uns
Fischen gehen will.
Nyroca Campingplatz
Wir sind in jedem Fall guter Dinge und
melden uns voraussichtlich das nächste mal so in eineinhalb Wochen
aus Adelaide. Bis dahin dürften wir wieder so viel erlebt haben, um
noch einen recht großen Eintrag verfassen zu können.
Vielleicht rappelt Robin sich ja auch noch auf, und macht einen Eintrag über seine und Brunos Zeit in Bali, wäre sicherlich interessant. Aber das wird die Zukunft zeigen.
Einen Überblick über die bisher zurückgelegte Strecke gibt es hier:
| Quelle: Google Maps |
In diesem Sinne wünschen wir Euch
allen ein frohes Osterfest (wir wissen nicht genau wann das ist, aber
vermutlich jetzt bald) und bleibt geschmeidig ;)
Jensen und Robin





















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