Im Endeffekt ist alles anders gelaufen,
als ich es mir vorgestellt habe – das nehme ich von vorn herein
schon mal vorweg. Auch dass es mit dem Autoverkauf nicht ganz so
reibungslos gelaufen ist, wie ich es mir erhofft hatte kann ich schon
mal so hinstellen.
Dass ich Sydney verlassen habe liegt mittlerweile, meiner Unzuverlässigkeit mit der Bloggerei geschuldet, auch schon über einen Monat zurück. Es gibt auf mehreren Ebenen so viel was ich über die Zeit dort berichten könnte, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll. Ich glaube ein Versuch, den Monat in Sydney chronologisch abzuarbeiten wäre sowohl für mich, als auch für denjenigen der es im Endeffekt lesen muss, Selbstmord. Also beginne ich einfach mit dem Auto:
Als Robin noch mit mir zusammen in Sydney war, hatten wir uns ja bereits mit einem Typen getroffen, der uns das Auto für $2000 abkaufen wollte. Unglücklicherweise hat sich dieser Pisser nicht mehr gemeldet, woraufhin ich mich nach gut einer Woche veranlasst sah, die Karre für weniger Geld wieder ins Internet zu stellen. Ich habe zu der Zeit - daran kann ich mich noch erinnern - gemutmaßt, dass der arme Kerl in der Zwischenzeit das Zeitliche gesegnet hatte..
Dann ist erstmal lange nichts passiert, was ich jedoch durch die ganzen coolen Leute im Hostel und regelmäßigen Alkoholkonsum über einen recht langen Zeitraum verdrängt bekommen habe. Einige Zeit - und einige Preiskorrekturen nach unten später hat sich dann endlich nochmal jemand gemeldet. Sein Angebot war mit $1400 zwar schon erheblich niedriger, aber mir ist die Situation allmählich schlicht und einfach auf den Sack gegangen (Mein Lebensstil in Sydney war auch nicht gerade der billigste).
Mit vollem Enthusiasmus habe ich mich also wieder in den Zug gesetzt um mich mit dem neuen Interessenten beim Auto zu treffen (war ein wenig außerhalb geparkt)...
(An diesem Punkt möchte ich darauf hinweisen, dass ich im folgenden Abschnitt an gewissen Stellen lieber andere, bösere und menschenverachtendere Formulierungen gewählt hätte, ich mir aber nicht über mögliche rechtliche Konsequenzen bewusst bin und die betreffenden Begriffe einfach durch süße Tierbeschreibungen ausgetauscht habe. Wer die unzensierte Version - und damit verbunden die volle Portion an Hass erleben möchte, der spreche mich doch bitte einfach drauf an.)
Was mich am Auto erwartet hat, war der selbe kleine niedliche Hundewelpe, der mir einige Zeit vorher noch $2000 angeboten hat. Immerhin hat er sich die Mühe gemacht, dieses mal mit einem anderen Auto zu kommen und noch - bevor er mir überhaupt hallo gesagt hat - klarzustellen dass er der Zwillingsbruder des anderen sei. Das war mit Abstand die verrückteste und lächerlichste Situation in der ich mich mal befunden habe. Bei der Probefahrt hat dieses knuffige kleine Lämmchen dann auch noch schön den Wagen ordentlich auf den Bordstein gesetzt, die Bremsanlage überstrapaziert sodass wir noch eine herzzerreißende halbe Stunde der Zweisamkeit hatten in denen ich mich nett mit ihm unterhalten musste. Immerhin hat er am Ende der Probefahrt ein bisschen getankt, was mich zu der Annahme brachte, dass er dieses mal zumindest nicht wieder einfach meine Anrufe ignorieren würde.
Ich wurde von ihm noch gut vier mal versetzt, mit der Begründung dass er das Geld noch nicht beisammen hätte und dann nach gut einer Woche habe ich natürlich wieder nichts mehr von ihm gehört. Auch auf meine Angebote, ihm das Auto für weniger zu geben kam keine Reaktion, sodass die Geschichte damit endet, dass ich die Karre für $400 an zwei andere Deutsche aus meinem Hostelzimmer verscherbelt habe. Klingt scheiße - ist es auch. Wendet sich aber auch noch zum Guten..
Hier das letzt Selfie mit unserem geliebten Tarago
Jetzt aber zu positiveren Themen:
Es fiel mir nicht schwer, so lange in Sydney zu bleiben, weil ich einfach richtig coole Leute um mich herum hatte. Schon ziemlich schnell nach Robins Abreise habe ich mich ziemlich gut mit einer Gruppe von anderen Deutschen angefreundet, zu denen ich dann auf Dauer auch aufs Zimmer gewechselt bin. Wir haben regelmäßig Party miteinander gemacht und haben natürlich auch ordentlich die WM zusammen verfolgt. Ich hatte mir zwar ein weiser Voraussicht schon ein Deutschland-Trikot mitgenommen, allerdings war das nach den vier Monaten an der Westküste vom Staub ziemlich mitgenommen. Aus meiner Zuversicht heraus, dass wir es dieses Jahr verdammt weit schaffen würden, hab ich mich kurzerhand dazu entschlossen, $100 in ein neues Prachtstück von Nationalzugehörigkeit zu investieren.
Nach der Portugal-Gala
Außerdem habe ich noch Kevin kennengelernt, einen verdammt coolen Typen aus San Diego. Wir haben so viel zusammen rumgealbert und Party gemacht, dass ich momentan mit dem Gedanken spiele einfach nächstes Jahr mal über den großen Teich zu fliegen und mir Kalifornien anzusehen. Er hat seinen Trip nach Deutschland auch schon geplant.
Kevin und Lucia
Kevin und Kevin
Soooo. Was ist mir noch so in Sydney passiert? Achja, ich habe den witzigen alten Mann aus dem Internet getroffen. Und wenn man eine Berühmtheit trifft, macht man natürlich auch ein Foto zusammen.
Und weil ich jetzt schon so oft erwähnt habe, dass ich so viel Party gemacht hätte, darf natürlich auch kein Partyfoto fehlen.
Der Wendepunkt für mich, der mich im Endeffekt hat Sydney verlassen lassen war, als ich Helena und Sophia getroffen habe. Die beiden waren zwar schon ein paar Tage im Hostel, aber ich hatte mich bis auf einmal in der Hostelküche, wo ich ihre Bratkartoffeln kritisiert habe, nicht wirklich was mit ihnen zu tun. Irgendwann haben wir dann aber doch mal miteinander geredet und mussten feststellen dass wir nicht nur alle die gleichen Pläne haben, sondern uns auch ziemlich gut verstehen. Besoffen haben wir dann beschlossen, zusammen die Ostküste hochzureisen und das musste ich dann auch irgendwie einhalten. Also habe ich das Auto verscherbelt.
Ich mit Sophia und Helena
Die beiden hatten eine Mitfahrgelegenheit bei einem Amerikaner gefunden. Die drei sind vorgefahren und ich habe dann, nachdem ich alles mit dem Auto geregelt habe, nach ein paar Tagen den Bus Richtung Norden genommen und mich in Coffs Harbor dem Trip angeschlossen.
Es war einerseits ein verdammt gutes Gefühl, endlich wieder unterwegs zu sein und was zu unternehmen, aber auf der anderen Seite war ich nach so langer Zeit natürlich auch recht wehmütig, dass ich Sydney und das Original Backpackers hinter mir lassen musste.






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